Das Gürtelsystem im Ju-Jutsu (Kyudan)

Wie in fast allen anderen Kampfkünsten auch, bedient man sich im Ju-Jutsu eines Systems aus farbigen Gürteln, das den jeweiligen Kenntnis- und Erfahrungsstand des Trägers zum Ausdruck bringen soll. Begonnen wird mit dem weißen Gürtel (Rokkyu), der den Anfänger kennzeichnet. Im Laufe der Ausbildung verändert sich die Farbe der Schülergrade über gelb, orange, grün und blau bis zum braunen, dem höchsten Schülergrad (Ikkyu). Nach einer ausgiebigen Vorbereitung kann sich der Träger des Ikkyu dann der Prüfung zum Shodan, dem ersten Meistergrad stellen. Hier wird vom Prüfling erwartet, dass er nicht nur die technischen Elemente des Ju-Jutsu beherrscht, sondern ebenso dessen geistige und moralische Hintergründe erfasst.
Grundsätzlich gilt: Ein beständiges Üben und Erfassen des Weges ist wesentlich lohnenswerter, als das eilige Hasten von einer Graduierung zur nächsten. Auch wenn die vorgeschriebenen Vorbereitungszeiten zwischen den Schülergraden nur sechs Monate betragen, wird es sich auszahlen, wenn man eine gründliche Ausbildung der Gürteljagd vorzieht. Die im Prüfungsprogramm genannten Vorbereitungszeiten stellen lediglich Mindestanforderungen dar, deren Unterschreitung definitiv keine ordentliche Vorbereitung zulässt. Jeder Budoka muss sich bewusst sein, dass wesentlich mehr zur Kunst gehört, als nur die Beherrschung der technischen Abläufe.
"Lieber ein guter Grüngurt, als ein schlechter Blaugurt" - Diese Aussage trifft auf alle Gürtelfarben zu und sollte von jedem Budoka beherzigt werden.
Das ursprüngliche japanische System kannte fünf Grade, die in den Mokuroku (Schriftrollen), vergeben wurden. Die fünfte Mokuroku war die höchste Graduierung: Menkyo-Kaiden. Dieser Grad bescheinigte die vollständige Beherschung der Kunst und die Befähigung zur Nachfolge des Lehrers .Da in den Mokuroku alle Techniken des jeweiligen Grades aufgelistet wurden, konnten die Schriftrollen teilweise mehrere Meter lang sein. Für die alten Schulen mit wenigen, streng ausgewählten Mitgliedern war dies noch praktikabel. Nachdem sich die Budotechniken aber weltweit verbreiteten, wurde diese Methode zu aufwendig. Ein neues System entwickelte sich, über dessen Herkunft  es unterschiedliche Auffassungen gibt. Bei diesem System werden die Techniken in zentralen Registern geführt und die Urkunden bescheinigen nur noch den Rang Dieses System wird Kyudan genannt und beinhaltet mehr Abstufungen als das Ursprüngliche.
Die Farben der einzelnen Grade lassen sich auch an deren Bedeutung im Zen-Buddhismus erläutern:
  weiß Der Schnee liegt auf der Landschaft. der Lehrer sieht den Schüler nicht. Der Schüler sieht den Lehrer nicht.
  gelb Der Schnee schmilzt. Die harte, gefrorene Erde leuchtet gelb. Der Lehrer sieht nicht, ob der Schüler fruchtbar ist. Der Schüler sieht nicht, ob aus dieser Lehre Frucht für ihn erwachsen  wird.
  orange Die fruchtbare Erde leuchtet in der roten Abendsonne. Der Lehrer sieht noch keine Frucht. Der Schüler keimt, kann aber noch nichts.
  grün Ein Pflänzchen kommt. Der Lehrer sieht, der Schüler versteht. Der Schüler erkennt die Wirkung der Lehre.
  blau Die Baumkrone reicht in den Himmel. Der Lehrer sieht das Leben seines Samens. Der Schüler erlebt die Tiefe der Lehre.
  braun Der Baum hat eine feste Rinde. Der Lehrer sieht den Beginn selbständigen Lernens. Der Schüler sieht, fest geworden, den ersten Gipfel in der Ferne.
  schwarz Das Wandeln in der Stille.

Die Schüler (deshi) - Grade :

6. Kyu (Rokkyu) Mudansha (Schülergrad) Unterstufe

  5.Kyu (Gokyu) Mudansha (Schülergrad) Unterstufe
  4.Kyu (Shikyu) Mudansha (Schülergrad) Unterstufe
  3.Kyu (Sankyu) Mudansha (Schülergrad) Mittelstufe
  2.Kyu (Nikyu) Mudansha (Schülergrad) Mittelstufe
  1.Kyu (Ikkyu) Mudansha (Schülergrad) Oberstufe

Die Meister (sensei) - Grade:

  1.Dan (Shodan) Grad des Suchenden nach dem Weg
Yudansha (technischer Meistergrad)
  2.Dan (Nidan) Grad des Schülers am Anfang des Weges
Yudansha (technischer Meistergrad)
  3.Dan (Sandan) Grad des anerkannten Schülers
Yudansha (technischer Meistergrad)
4.Dan (Yondan) Grad des technischen Experten
Yudansha (technischer Meistergrad)
5.Dan (Godan) Grad des Wissens (wird verliehen)
Kodansha (geistiger Meistergrad)
  6.Dan (Rokkudan) Grad des Wissens (wird verliehen)
Kodansha (geistiger Meistergrad)
  7.Dan (Shichidan) Grad der Reife (wird verliehen)
Kyoshi (Lehrer des Budo)
8.Dan (Hachidan) Grad der Reife (wird verliehen)
Kyoshi (Lehrer des Budo)
9.Dan (Kudan) Grad der Reife (wird verliehen)
Hanshi  (Meister des Budo)
10.Dan (Judan) Grad der Reife (wird verliehen)
Hanshi (Meister des Budo)
Zumindest im Ju-Jutsu, Judo, Karate, und Aikido ist der Weg hier zu Ende. Eine höhere Graduierung als zum 10. Dan ist weltweit nicht möglich! Lediglich Verstorbenen kann posthum der 11. Dan verliehen werden. Professor Jigoro Kano, dem Begründer des Judo, hat man nach seinem Tode den 11. Dan verliehen. Der 12. Dan ist für Menschen nicht erreichbar. Der Geist, die Idee des Budo-Sports soll den 12. Dan tragen. Der weiße Gürtel des 11. und 12. Dan weist darauf hin, dass auch der größte Meister immer doch "nur" ein Schüler ist.